Warmherziger Experimentierer
Prof. Dr. Ulrich Pätzold †. Die Dortmunder Journalistik verliert einen bis zuletzt aktiven Mentor – und der EX ein bis zuletzt aktives Mitglied
Wer Uli Pätzold bei unserer EX-kursion nach Hamburg erlebt hatte, mag es kaum glauben, dass der noch so agil Wirkende nicht mehr unter uns ist. Hat er doch auch nach anstrengendem Besuchstag noch abends mit uns zusammengesessen und mitdiskutiert, wie wir unsere Mitgliederbasis weiter verbreitern können. Der EX, die Alumnivereinigung des Instituts für Journalistik, trauert um Prof. Dr. Ulrich Pätzold, der Ende Mai im Alter von 82 Jahren verstorben ist.
Dass er zu den Mitgliedern der ersten Stunde zählte, als der EX vor über 25 Jahren aus der Taufe gehoben wurde, kann niemanden überraschen. Zu verbunden war er nicht nur dem Institut für Journalistik, er war einer der Gründungsprofessoren, sondern auch und gerade den Studierenden. „Seine“ Ehemaligen hatten ihn anlässlich seiner Emeritierung 2008 bereits mit einem individuell zusammengestellten Reader geehrt: „Wir müssen mehr experimentieren“, lautete der Titel. Ein Leitmotiv, das sehr gut passte, denn experimentiert hatte Pätzold ja schon immer. So verstand er Wissenschaft: Ausprobieren, verifizieren, verändern.
Kein Wunder also, dass er 1978 dem Ruf an Deutschlands erste hochschulgebundene Journalismus-Ausbildungsstätte folgte und daran mitgearbeitet hat, das Institut für Journalistik schrittweise zu dem zu machen, was es heute ist – eine renommierte Adresse für die profunde Ausbildung von Medienschaffenden.
Der gute Draht zu den Studierenden lag vermutlich auch daran, dass der Professor eben nicht nur als Professor lehrte (der über Journalistenausbildung promoviert hatte). Sondern auch selbst ganz praktisch tätig war: so hatte der gebürtige Bielefelder unter anderem für den RIAS Berlin und die Zürcher Weltwoche gearbeitet. Bei reiner Lehrtätigkeit beließ er es auch nach seiner Berufung nicht. Zusammen mit Horst Röper gründete er 1984 FORMATT und nahm mit dem Forschungsinstitut die Entwicklung der Medienstrukturen unter die Lupe.
Experimentell kann man auch die Gründungsphase der ersten Fernseh-Lehrredaktion des Instituts nennen, die Pätzold initiiert hat – man startete mit engagierten Studierenden anfangs ziemlich bescheiden in einer Art „Garagenbetrieb“ in der Dortmunder Kirchenstraße.
Gut möglich, dass zum Gelingen des „Dortmunder Modells“ der hochschulgebundenen Journalistenausbildung die seinerzeit gute Vernetzung Uli Pätzolds in die Politik beigetragen hat – seine vielen Kontakte in Landes- und Bundesgremien sprechen dafür.
Offen für Experimente war Uli Pätzold auch nach seiner Emeritierung. Unter seinen jüngsten Arbeiten ist mit „Im Hinterhof der Politik“ ein crossmediales Romanprojekt, bei dem er die Darreichungsform an unterschiedliche Ausgabeformen angepasst hat. Die Idee wollte er mit einem Laboratorium weiterentwickeln, doch auch das „CrosslitLAB“ hat jetzt seinen Initiator verloren.
Wie warmherzig er sein konnte, durfte ich am eigenen Leib erfahren – als wir uns Mitte der 2010-er Jahre bei einer Institutsfeier trafen, hielt er es für wichtig, mir persönlich für mein Engagement beim EX zu danken. Dabei war er bereits länger emeritiert, ich erst kurze Zeit im EXi, und während meiner Studienzeit hatte ich wenig direkten Kontakt zu ihm. Dennoch war ich offenbar auf seinem Radar – eine Geste, die mich sehr motivierte.
Auf diese besondere Art der Motivation können wir nun nicht mehr direkt bauen. Aber uns daran erinnern. Das Institut und die Alumni werden Prof. Pätzold nicht vergessen.
